Blitze fotografieren

Do, Okt 15, 2009

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Blitze fotografieren

Ein Naturspektakel, das wir in Zentraleuropa heuer häufig beobachten durften, war das klassische Sommergewitter. Daher möchte ich gerne mal meine Beobachtungen und Tipps zum Thema „Blitze fotografieren“ loswerden.
Wahrscheinlich hat jeder schon mal ausprobiert, bei einem schönen Gewitter die Blitze einzufangen. Ich mache das auch regelmäßig, und es ist mehr oder weniger oft von Erfolg gekrönt. Das Spannende dabei ist, dass man selbst relativ wenig dazu beitragen kann, ein gutes Blitzfoto zu machen. Im Prinzip stellt man sich mit seiner Ausrüstung auf und wartet.
Trotzdem gibt es ein paar Dinge, die man durchaus beachten kann, um möglichst gute Ergebnisse zu erzielen. Also: worauf kommt es an, und was braucht man zum Blitze fotografieren?

Geschützter Standort
Wenn es ein Gewitter gibt, ist der Regen meist nicht fern. Dabei ist es weniger schlimm, dass man selbst nass werden würde – aber für die Kamera ist das natürlich nicht optimal.
Eine Möglichkeit ist, das Gewitter aus sicherer Entfernung zu beobachten. Dafür muss man natürlich wissen, wann und wo es wahrscheinlich ein Gewitter geben wird, und sich rechtzeitig zu diesem Standort aufmachen.
Anders ist das bei mir in der Stadt, denn ich bin meistens mittendrin im Gewitter das ich fotografiere. Ich habe zum Glück einen überdachten Balkon, und sobald ich erste Anzeichen eines Gewitters höre/sehe, stelle ich mich einfach mit meinem Zeug nach draußen, warte und hoffe.

In diesem Fall stand ich zwar geschützt unter einem Mauervorsprung, habe aber lange nicht bemerkt, dass vom Geländer vor mir die Wassertropfen abprallten und auf die Linse spritzten… Tropfen kommen also nicht immer nur von oben! ;)

In diesem Fall stand ich zwar geschützt unter einem Mauervorsprung, habe aber lange nicht bemerkt, dass vom Geländer vor mir die Wassertropfen abprallten und auf die Linse spritzten… Tropfen kommen also nicht immer nur von oben! ;)

Stativ
Bei Blitzfotos ist der Verschluss sehr lang offen – ohne Stativ geht also nix. Außerdem dauert es oft ganz schön, bis ein guter Blitz daherkommt, und so lang möchte man die Kamera nicht halten müssen. ;)

Belichtung, Blende, ISO-Wert
Ich habe mittlerweile schon viel herumexperimentiert, und nehme nun meistens eine Belichtungszeit von 30 Sekunden bei kleinster Blendenöffnung (=größte Blendenzahl). Das heißt, es fällt 30 Sekunden lang über eine ganz kleine Öffnung Licht auf den Sensor. Wenn kein Blitz kommt, ist das Bild fast schwarz. Entlädt sich aber ein Blitz, dann bringt er selber genug Licht mit, sodass mit diesen Einstellungen ein knackiges Bild entsteht. Weiters erreicht man damit, dass nur wenig Umgebungslicht von Häusern, Straßenlampen etc. das Bild beeinflusst (=Light Pollution) – die Hauptlichtquelle soll ja der Blitz selbst sein.

Diese drei Bilder wurden mit exakt gleichen Einstellungen (30sek, Blende 22, ISO 100)  unmittelbar nacheinander aufgenommen. Beim ersten und dritten Bild hat es während der 30 Sekunden geblitzt, beim zweiten nicht – daher ist es fast komplett schwarz.

Diese drei Bilder wurden mit exakt gleichen Einstellungen (30sek, Blende 22, ISO 100) unmittelbar nacheinander aufgenommen. Beim ersten und dritten Bild hat es während der 30 Sekunden geblitzt, beim zweiten nicht – daher ist es fast komplett schwarz.

Hinweis: 30 Sekunden sind schon extrem viel. Das muss natürlich nicht immer sein, und geht auch nicht immer. Wenn es noch nicht ganz dunkel ist, versuchen Sie es mal mit 8 oder 10 Sekunden. Geringere Werte sind auch sinnvoll, wenn am Bild noch andere Objekte zu sehen sind, denn sonst werden diese oft überbelichtet (siehe „Bildausschnitt“ weiter unten).
Außerdem geht der ISO-Wert nie über 400, meistens sogar nur 100 oder 200. Das ist wichtig, um ein Rauschen weitestgehend zu verhindern, grade bei einer Langzeit-Nachtaufnahme. Und wie schon gesagt, der Blitz ist hell genug.

Detailausschnitt einer Blitzaufnahme: Dieses Bild wurde 12 Sekunden lang belichtet. Trotzdem sind die Wassertropfen, die aus einer Wasserrinne über mir kamen, scharf abgebildet. Daran erkennt man, dass eigentlich nur recht kurz belichtet wird (durch den Blitz), obwohl die Blende so lang offen steht.

Detailausschnitt einer Blitzaufnahme: Dieses Bild wurde 12 Sekunden lang belichtet. Trotzdem sind die Wassertropfen, die aus einer Wasserrinne über mir kamen, scharf abgebildet. Daran erkennt man, dass eigentlich nur recht kurz belichtet wird (durch den Blitz), obwohl der Verschluss so lang offen steht.

RAW-Modus
Wenn möglich, fotografieren Sie RAW! Gerade wenn Sie so extreme Lichtkontraste aufnehmen, sind Sie mit der Qualität einer RAW-Aufnahme am besten dran.
Unterstützt Ihre Kamera kein RAW, oder müssen Sie aufgrund einer beinahe vollen Speicherkarte JPEG fotografieren, dann verwenden Sie unbedingt die geringste JPEG-Kompression. Ansonsten kann es vorkommen, dass durch zu hohe JPEG-Kompression genau an den kontrastreichen Kanten des Blitzes unschöne Artefakte auftreten.

Leere Speicherkarte, voller Akku
Blitze zu fotografieren kann lange dauern. Sie werden viele, viele Aufnahmen machen, die Sie später wieder löschen. Eigentlich könnten Sie ja auch nach ein paar Aufnahmen die Karte durchgehen, und die schlechten Bilder direkt löschen. Ja – eigentlich. Empfehlen würde ich Ihnen das aber nicht, denn genau wenn Sie im Wiedergabe-Modus Ihrer Kamera sind, versäumen Sie den besten Blitz. Glauben Sie mir, ich spreche aus (schmerzlicher) Erfahrung. Murphys Law, Sie wissen schon. :-D
Also, lieber gleich mit einer leeren Speicherkarte und einem vollen Akku loslegen, sodass es zumindest daran nicht scheitert!

Bei einer Belichtungszeit von 30 Sekunden entstanden in nur 10 Minuten diese 20 Aufnahmen. (Gut gerechnet, oder? ;)  Von den 20 Aufnahmen sind 4 gute dabei, der Rest ist Ausschuss. Manchmal macht man aber auch 40, 50 oder mehr Bilder, ohne einen (guten) Blitz zu erwischen. Daher sollte die Speicherkarte dementsprechend viel Platz bieten.

Bei einer Belichtungszeit von 30 Sekunden entstanden in nur 10 Minuten diese 20 Aufnahmen. (Gut gerechnet, oder? ;) Von den 20 Aufnahmen sind 4 gute dabei, der Rest ist Ausschuss. Manchmal macht man aber auch 40, 50 oder mehr Bilder, ohne einen (guten) Blitz zu erwischen. Daher sollte die Speicherkarte dementsprechend viel Platz bieten.

Bildausschnitt
Nachdem Blitze relativ unberechenbar sind (Meteorologen mögen da widersprechen, aber zumindest für mich sind sie das) weiß man nicht, ob der nächste jetzt von rechts oder links kommt. Daher fotografiere ich immer möglichst weitwinkelig und versuche, so viel vom Himmel draufzubekommen, wie nur geht.
Es kommt natürlich auch darauf an, was Sie mit Ihrem Foto erreichen wollen. Mir geht es fast ausschließlich darum, einen Blitz einzufangen. „Schon klar“, denken Sie jetzt. Ich meine aber damit, dass es bei mir vom Balkon aus gesehen wenig interessante Objekte gibt, die ich mit auf das Foto bekommen will. Auf meinen Fotos sieht man also meistens nur ein paar Hausdächer und Bäume am unteren Rand, der Rest ist Himmel. Wenn Sie von Ihrem Standpunkt aus aber noch ein schönes Objekt mit drauf bekommen, dann stellen Sie den Bildausschnitt entsprechend ein. Es wäre schade, wenn Sie z.B. einen Blitz erwischen, der die kleine Kirche im Vordergrund schön beleuchtet, aber die Kirche ist am Bild abgeschnitten und schief drauf.

Last, but not least: Geduld
Ich hab es schon ein paar Mal erwähnt: bis Sie gute Blitzfotos haben, kann es durchaus dauern. Nehmen Sie sich also Zeit. Auch wenn Sie dafür ‚nur’ auf den Balkon gehen müssen, sollten Sie schon mindestens eine Stunde einplanen. Auch hier können Sie wenig planen, denn manchmal ist ein Gewitter schon nach 20 Minuten vorbei, manchmal dauert es wesentlich länger. Oft meint man auch das Gröbste sei vorbei, aber erst dann kommen die richtig guten Blitze.

Also einfach Zeit nehmen, am besten neben die Kamera setzen, und alle 30 Sekunden (nachdem eine Belichtung abgeschlossen ist) wieder auf den Auslöser drücken. Mit einem Fernauslöser ist es bequemer, aber der ist natürlich nicht notwendig.
Wenn Sie eine Software zur Fernsteuerung der Kamera besitzen, können Sie diese natürlich auch einsetzen, automatisch alle 30 Sekunden eine Aufnahme machen lassen und am Schluss checken, was dabei rausgekommen ist. Die Qualität des Fotos wird dabei nicht besser oder schlechter, meiner Meinung gehen aber die Spannung und das Erfolgsgefühl, wenn eine gute Aufnahme geglückt ist, dabei verloren…

Ich hoffe, dass für Sie der eine oder andere Tipp dabei war, und vielleicht freuen Sie sich ja jetzt mehr über das nächste Gewitter!
In meinem nächsten Artikel geht es noch mal um Blitzaufnahmen, dann allerdings um die Nachbearbeitung und die nachträgliche Kombination mehrerer Blitze in einem Bild.

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Dieser Eintrag wurde verfasst von:

Barbara - Autor von 79 Einträgen in diesem bL&Log.


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4 Antworten zu “Blitze fotografieren”

  1. S.doubleU Says:

    Hallo Barbara,

    könntest du eventuell noch verraten, auf was du deinen Weißabgleich bei Blitze fotografieren einstellst. Oder lässt du den einfach auf automatisch?

    Danke!

  2. krümel Says:

    danke für die tipps :)


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  1. [...] einem anderen Artikel habe ich beschrieben, wie ich Blitze fotografiere. Ich habe also ein Gewitter abgewartet, [...]

  2. [...] Gewitter- und Blitzfotos machen möchte, kann hier ein paar meiner Erfahrungen und Tipps nachlesen: Blitze fotografieren Blitzfotos [...]

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